Ein im Luftraum über eine Länge von 18 Metern und 3 Metern Breite schwebendes Segel, Projektionsfläche für Proto-Texte und Texturen. Ein Projekt von Franz Kluge und Gunnar Schmidt (2005).
ton ( Ausschnitt) ››

Beschreibung:
Ausgangspunkt und ein zentraler Beweggrund für diese raumgreifende und im Konzeptansatz "himmelsübergreifende" Installation ist der Essay "Der Himmel – die Schrift" von Gunnar Schmidt. Dieser Text spannt einen weiten Bogen, der von den himmelsfüllenden Einschreibungen eines vorschriftlichen Schicksalsortes bis hin zu der Säkularisierung des Himmelszeltes als Projektionsfeld für den freien Fluss von Inskriptionen und Imaginationen reicht. Projektionen, die – nun von unten nach oben gerichtet – sich die Vorzeichen und Vorzeichnungen des Himmels als Spielmaterial selbstbestimmter oder auch nur vom Zufall generierter Fantasietätigkeit entdecken. Ein im Luftraum über eine Länge von 18 Metern und 3 Metern Breite schwebendes Segel, Projektionsfläche für Proto-Texte und Texturen im Zustand noch offener Vorbedeutungen, steht für die Idee himmels- und wolkenähnlicher assoziativer Felder, die wie ein gemeinsames Dach Städte, Landstriche und Regionen überformen und: zu verbinden vermögen. Wim Wenders "Himmel über Berlin", Virginia Woolfs "Himmelskino", Alfred Stieglitz "Wolkenbilder" sind Beispiele künstlerischer Aneignung von existenzieller Welt- und Sinnerfahrung, die allen Menschen gehört und alle Menschen verbindet. Assoziative Transfers dieser Installation auf den Himmel über der Großregion Saar-Lor-Lux, Rhein und Wallonie sind erwünscht. "der himmel : une constellation" verbindet und überbrückt in "Cybergärten und wirkliches Grün" die Raumzonen der Reflexion und Produktion. Vier in die Vertikale ausgerichtete Pendelprojektoren beschreiben und überschreiben in präzisen, ausgelenkten Bewegungen dieses zurückgeholte "Himmelskino" mit zufällig ausgewählten Fragmenten aus dem Text von Gunnar Schmidt: Mallarmés Würfelwurf, das Aufbrechen, die Dekonstruktion dominanter und dominierender Textverpflichtung wird erneut, mit neuen Gedanken und neuen Technologien zu einer am Himmel tanzenden typografischen "Constellation" (auch mit Sternenbild zu übersetzen) aufgelöst. Eine ebenfalls von Gunnar Schmidt hierzu realisierte Klanglandschaft unterstützt diesen Prozess. Und Stefan Kim (Brandenburg) hat hierzu eine Software geschrieben, die den Mechanismus der zufallsgesteuerten Selektion über einem Repertoire von Parametern unter ästhetischen Gesichtspunkten steuern kann. Die technischen, formalen und inhaltlichen Ausdeutungen dieser Installation thematisieren die Dualität jeder Projektion zwischen Flucht und Fiktion, zwischem dem "Vor-Sich-Hingeworfenen" und in die Anschauung zurückgeholten Bildern des noch Ungewissen, vielleicht auch der Vision des Neuen.
Franz Kluge


Literatur:

Gunnar Schmidt, in: Der Himmel – Die Schrift, Fragmente, 42/43 (1993), 155-174.
Gunnar Schmidt, Himmelsbilder, in:
www.medienaesthetik.de/fotografie/Himmelsbilder.

« zurück